Twitterradio Folge 5

Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt nun endlich die lange überfällige 5. Folge Twitterradio. Es war ein grosses Vergnügen mit dem selbsterklärten soziologischen Scharlatan Klaus Kusanowksy zu sprechen – dessen Tweets überhaupt erst mit Anlass für diesen Podcast waren. Der Plan sah vor, dass wir nach einer kurzen (!) Vorstellung etwas länger über Twitter reden und wenn wir dann noch Zeit und Lust hätten, über ein paar Themen, die Klaus aus Twitter verhandelt. Und schon mit der Vorstellung fing dann aber alles an, abzuweichen. Macht euch gefasst auf eine verrückt-vergnügliche Folge, voll soziologischer Fragen, voll kaum vorhersehbarer Gesprächsentwicklungen und jeder Menge Themen: echte, wirkliche, falsche, offizielle und andere Namen; Soziologie als einzige verbleibende Wissenschaft; die List in Listen zu listen; Indifferenz und Organisation; Wissenschaft und Universität; neue Bezahlmodelle, neue Medien, Jung&Naiv, den Aufwachen Podcast, und Grundeinkommen; und Birnenlikör.

Wenn ihr wollt und könnt, freue ich mich sehr, wenn ihr den Podcast unterstützt!

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5 thoughts on “Twitterradio Folge 5”

  1. Die wunderliche Zufallsmystik technischer Fehler! …
    Ich bin eben vorhin genau an der Stelle eingenickt, als die Stimme bei @kusanowsky verzerrt rübergekommen ist… [bei ~ 47 Minuten]
    Dass ich eingenickt bin, das hab’ ich erst gemerkt, als ich durch die Nachfrage und Unterbrechung des Gesprächs wieder wach geworden bin.
    Also durchaus gutes Timing…
    Eingeschlafen bin ich wohl, weil ich vorhin schon müde war… Das Gespräch find’ ich eigentlich bisher durchweg sehr interessant und sogar unterhaltsam… 😉

  2. Ich will hier nur ein paar Aussagen aus Eurem Gespräch herausgegriffen und zitieren, die mich besonders angesprochen haben…

    Auf Google Drive liegt dieses Dokument, in das ich auch ein paar zusätzliche Kommentare und Verknüpfungen eingebaut habe:::
    https://drive.google.com/file/d/0B-PppAZB0S8TSTlacXVlYTU2cjQ/view?usp=sharing

    (11) Von der List in Listen zu listen statt to listen

    [01:05:43 Klaus:] „Was ich daran interessant finde ist eigentlich…, dass das Spiel seine eigenen Probleme hervorrufen kann… Hier in dem Fall ist es natürlich unverbindlich, aber, was wäre (und das ist eben das Fantastische, was ich daran finde)[…]“
    [01:05:57] „Was wäre, wenn solche – oder ähnliche – unschuldige Spielereien Verbindlichkeiten nach sich [zögen]? Und zwar dann: Verbindlichkeiten durch Spiele, denen man sich dann, wenn sie ihre Regeln erzeugen, eben nicht mehr entziehen kann… Und zwar aufgrund von Spiel und nicht etwa aufgrund von Zwang oder Gewalt oder […] von Bestimmungen[/ Bedingungen] von denen man glauben möchte, dass sie von anderen hergestellt worden sind. Was wäre, wenn so ein Spiel selbst eben seine Regeln erzeugt (und dann auch seine Notwendigkeiten)? – Und das finde ich dann fantastisch… […] Also schon den Gedanken finde ich fantastisch.
    [01:07:07] Vor allem finde ich den Gedanken fantastisch, dass dann eben nicht mehr nur solche Quatsch-Sätze mitgeteilt werden können, wie das Gegenwärtig eben hauptsächlich bei Twitter [und offenbar ganz ähnlich bei facebook, GooglePlus, etc. der Fall] ist, sondern, wenn sich dann Verbindlichkeiten knüpfen, die dann ja auch Lebenschancen eröffnen. Lebenschancen auf Inklusion. Insbesondere [dann, erscheint mir das relevant,] wenn ich [daran] denke, dass wir einen großen Inklusionsüberhang haben. [Brisant wird dieser Gedanke, wenn wir in Betracht ziehen] dass (sagen wir) sieben Milliarden Menschen so leben wollen, wie ungefähr eine Milliarde es tut. [… 01:07:42 …] Es gibt Leute, die sagen: Wollten sieben Milliarden Menschen so leben, wie ungefähr eine Milliarde es tut, […] dann bräuchten wir fünf Erden. [Wenn also sieben Milliarden Menschen ihr Leben] nach dieser Lebensweise [ausrichten wollten, dann bräuchten wir] fünf Erden, um diese eine Erde zu versorgen und das geht nicht. [01:08:10] Und ich kann mir vorstellen, dass so eine dezentrale Selbstorganisation von Kommunikation, […] die nicht an Machtapparate gebunden ist (an Bürokratie, an Unternehmen, an Vereine) – die daran nicht zuerst [oder unweigerlich?] gebunden ist – dass die geeignet sein könnte, diesen Inklusionsüberhang abzubauen. Also, wir haben die [folgende] Situation: [… Der] Kapitalismus […] leistet zwei Dinge: Erstens eine hoch-effiziente Marktwirtschaft – die ist hoch-effizient… Eine Verteilung von Gütern, die ist super-effizient. [Auf der anderen Seite aber,] produziert sie so viele Schäden, dass [… alles, was die Marktwirtschaft durch ihre hohe] Effizienz [zu leisten im Stande ist,] sofort wieder aufgefressen wird, durch die [Kosten zur Beseitigung der] Schäden[,die im Rahmen der kapitalistischen Produktionsprozesse entstehen].“

    (12) Acceleration durch Technologie

    „[…] Also, [01:08:27] Die Effizienz, die durch Marktwirtschaft geleistet wird, wird durch die Schäden, die durch den Kapitalismus [verursacht] werden sofort wieder aufgefressen. [01:09:37] Das heißt also: Es bringt nix…
    Könnte es sein, vielleicht, dass mit Social Media oder mit einer Art von Technologie Effizienzgewinne nutzbar gemacht werden können?“
    [01:09:52, Moritz:] „Da sprichst Du ja an, was wir bei 1968 ja schon oft diskutieren… [http://www.1968kritik.de, https://plus.google.com/+MoritzKlenk/posts …] Akzelerationismus..! […] Wir sollten anfangen, das zu beschleunigen und die Technologien aufgreifen, die das beschleunigen können […] und zwar nutzbar machen… […] Nicht ständig dem Kapitalismus hinterherrennen, sondern […] diese Logik nutzen… und auch nicht willentlich gegen die Wand fahren, sondern – so wie Du das geschildert hast, eigentlich: Kann es nicht sein, dass eine Technologie denkbar ist oder geschaffen wird..? […]“

    (13) Indifferenzspiel & Ad-hoc Organisation

    [01:14:00 Klaus:] „… Auch dann, wenn wir uns nicht begegnen müssen, wenn wir keine Verbindlichkeiten [oder] keine Organisation eingehen müssen, aber können, [dürfen wir eine gewisse Form von Ordnung entstehen lassen.]
    – Organisation auch dann leisten können, wenn sie wieder sofort zerfallen kann.
    – Organisation, die verschwindet, wenn sie ihre Zwecke erfüllt.
    Das ist ja genau das, was gegenwärtig fast nicht zu argumentieren ist…
    Es gibt ganz wenige Fälle, wo Organisationen sich deswegen auflösen, weil sie Ihre Zwecke erfüllt haben… [Obwohl es] das gibt[…]“
    [Moritz: …] „[…] Beispiele?“
    [Klaus:]„Der Vereinszweck ist erreicht…[…Umgekehrt:] Bundeswehr […] sucht neue Feinde [/ neue Zwecke zur Verwendung ihrer Mittel…]
    [01:17:21 …] Organisationen, die sich dann auflösen, wenn sie ihre Zwecke erreicht haben. […] Das wäre ethisches Handeln. Ethisches Handeln wäre jenes Handeln, das aufhört, wenn die Zwecke des Handelns erreicht sind. [01:18:45] Und was ist, wenn wir Organisationen auch so verstehen könnten? [Wir könnten] sagen: [Eine zweckrationale] Organisation ist [eine Form von Organisation, die im Hinblick auf definierte Zwecke entsteht und sich dann] – zweckrational […] – auflöst, wenn die Zwecke des Tuns erreicht sind. Und [zweckrational bedeutet] nicht etwa, sich neue Zwecke suchen..!
    Und ich finde aus diesem Grunde, das, was Tilo Jung macht, total interessant. Ich habe keinen Chef. Ich habe keinen Arbeitgeber. Ich habe keine Mitarbeiter. […] Ich teile Euch mit, was ich zu sagen habe und ich bitte Euch darum, mir Geld zu geben.
    […]
    Er hat keine Chancen, das unter Verbindlichkeiten zu stellen… Und das find’ ich interessant.
    […] wirklich interessant!“

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